Schöne neue Medienwelten

Medienpädagogisches Forum

  

Präventiver Jugendschutz

Problemsicht des Kinder- und Jugendschutzes

Kinder- und Jugendschutz schaut selbstverständlich zunächst auf Angebote und Nutzungsformen im Umgang mit dem Handy, die möglicherweise die gesellschaftlich gewünschte Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen könnten. So setzen sich im Kinder- und Jugendmedienschutz Beschäftigte mit folgenden Themen auseinander:

Technik
Inhalte
Nutzungsverhalten
Strahlung
Pornografie
Mobbing
Branding
Werbung
Verletzung der Privatsphäre

Diebstahl
Gewalt
Gläserner Kunde
Viren
Rechtsextremismus
Kosten
Ortungsmöglichkeiten
Musik
Unkontrolliertes Nutzungsverhalten (Spiele, Chat, Communities, SMS, Audio, Foto, Video)

Die Aufgabe Erwachsener wird sein, Wahrnehmungen zu differenzieren und mit den Lebensrealitäten Kinder und Jugendlicher abzugleichen. Möglicherweise werden dann einige Konfliktherde schon gelöscht, bevor es zur intergenerativen Katastrophe kommt. Am Beispiel der Gewaltvideos wird deutlich, wie vielschichtig Problemstellungen sein können:

  • Horrorvideos
  • Jackass
  • Happy slap
  • Nachrichten
  • ping
  • Snuff-Videos
  • Witz, Komik
  • Kunst
  • Mobbing, Erpressung, …
  • Schlägereiaufnahmen

Ableitungen für die pädagogische Praxis

Mit dem „Contra“ können wir einerseits umgehen, in dem die Nutzung problematischer mobiler Web 2.0-Angebote möglichst weitreichend behindert werden. Das kann durch Verbote, Preisgestaltung und technische Schutzvorrichtungen wie Datenübertragungssperren bewirkt werden. Andererseits ist es ein sinnvoller und notwendiger Arbeitsansatz, sich in pädagogischen Arbeitszusammenhängen reflexiv mit den Inhalten zu beschäftigen. Es geht darum, Gefährdungen wahrzunehmen und sich inhaltlich mit ihnen auseinander zu setzen. Kinder und Jugendliche vor unerwünschten Inhalten und Nutzungsverhalten allein durch Sperren und Fernhalten zu bewahren, funktioniert im Zeitalter der globalisierten Medienwelt nicht mehr. Man muss dem „Contra“ das „Pro“ zur Seite stellen. Heutige Pädagogik setzt sich nicht nur mit aktuellen Problemen konstruktiv auseinander, sondern nutzt die Stärke von Erwachsenen, nämlich deren Rahmungskompetenz, für eine Prävention im Sinne des Kinder- und Jugendmedienschutzes. Es geht nicht mehr nur um das Bewahren vor Entwicklungsbeeinträchtigungen, sondern es geht um das Erlernen eines gesellschaftskonformen Umgangs mit modernen Medien und um das kontinuierliche, kritische und anregende Begleiten dieses Prozesses durch Erwachsene von früher Kindheit an. Erziehung erscheint dann Kindern und Jugendlichen nicht nur sehr modern, aktuell und trendy, sondern macht den Adressaten von Erziehung sogar Spaß. Dabei wird von Erwachsenen erwartet, dass sie Orientierung gegeben und Grenzen setzen.

Best Praxisbeispiele

Die Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. hat vielfältige Zugänge zum Umgang mit dem Handy oder zum Thematisieren von Handynutzungsproblemen entwickelt. Auf der Internetseite www.handywissen.info werden viele Beispiele für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht.

kleinhandywissen

Handylogos, Klingeltöne, Spiele

Es werden stets kreative Möglichkeiten des Handys genutzt. Bilder und Töne gehören selbstverständlich dazu. Mittlerweile arbeiten MedienpädagogenInnen im Bereich Foto, Video und Klingeltöne. Auch Handyspiele oder Handylogos und -klingeltöne können selbst erstellt werden z. B. mit dem Onlineangebot von www.netzcheckers.de.

Blogs per SMS

Virtuelle Tagebücher, so genannte Blogs, können mit dem Handy per E-Mail, SMS oder MMS mit Text, Fotos oder Videos gefüllt. SMS kann man von jedem Handy aus an eine E-Mailadresse versenden. Für die SMS zur E-Mail muss gleich zu Anfang der SMS die eMailadresse des Empfängers stehen. Danach folgt ein Leerzeichen und darauf der Text der SMS. Beispiel: kim.dummy@freenet.de und dann folgt der Text. Lediglich eine zentrale Nummer, an die die SMS gesendet wird, muss je nach Netzanbieter ausfindig gemacht werden:

  • D1: 8000
  • Vodafone: 3400
  • E-Plus: 7676245
  • O2: 6245

Rund-Funk

Man kann von einem Handy, das über einen Mediaplayer verfügt, Musik und aufgenommene Textmoderation an einen sog. UKW-Transmitter senden. Damit werden Daten an ein Radio gesendet. Man muss nur die passende Frequenz des Senders im Radio einstellen und schon steht dem persönlichen Geburtstagsradio nichts mehr im Wege. Übrigens kann auch gezaubert werden. Wenn das Handy leiser gestellt wird, wird automatisch das Radio leiser.

Eine neue sehr einfache Möglichkeit live Radio zu machen, bietet das Handy in Verbindung mit dem Internet. Eine Handyflat sorgt für kostenloses Senden. Um eine Radiosendung live zu machen, muss man lediglich bei www.1000mikes.com angemeldet sein und sein Handy registriert haben. Nun muss man nur noch die Nummer anrufen und schon kann die ganze Welt hören, was Sie zu sagen und zu senden haben. Man kann die Sendung sogar speichern lassen.

Ähnlich funktioniert das Internetangebot www.cellcast.de. Hier kann man vom Handy aus per Telefongespräch oder Video ein Podcast erstellen. Eine geniale und einfache Art, ein Projekt zu dokumentieren oder der Öffentlichkeit vorzustellen.

cellcast

Mit einem sog. Bluebot der Firma „Neue Medien Dresden“ können Sie per Bluetooth-Nahfunk verschiedene Dateien kostenlos an Gäste, Teilnehmer oder Besucher senden lassen. Dateien auf einen Stick speichern, den Stick in den Bluebot stecken und schon ist alles erledigt. Der Bluebot sendet nun an alle Handys, die Bluetooth geöffnet haben und den Empfang nicht ablehnen.

Von der gleichen Firma ist das Programm „SMS Chatwall“. Damit ist es möglich per SMS an eine zentrale Nummer live und öffentlich zu chatten. Die SMS kostet nichts zusätzlich, sondern lediglich den normalen SMS-Preis entsprechend des jeweiligen Tarifs. Die Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. nutzt diese Möglichkeit, damit sich Tagungsgäste per SMS an Diskussionen während einer Podiumdiskussion oder ähnlichem mit einem Feedback beteiligen können.

Autoren: Jürgen Ertelt || IJAB e.V. und Arnfried Böker || Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen Anhalt e.V.


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