Schöne neue Medienwelten

Medienpädagogisches Forum

  

Web 2.0 wird mobil

Das Netz wird mobil, -das Handy ist das Universalwerkzeug für`s digitale Leben.

Die Begrenzung des Mediums Handy ist seine bauliche Abmessung. Zu leicht fingern wir auf der falschen Taste oder wursteln an der Linse des eingebauten Fotoapparates. Darin sind fast alle Menschen und Geräte gleich - ob Merkel oder Nokia. Komplexer geht’s fast nicht mehr, wenn wir die folgende Aufzählung des jetzt bereits Machbaren addieren. Weitgehend weggelassen haben wir die Spekulationen der Science Fiction, wobei Laser projezierte Tastatur, Beamer- Option des Handys und das Telefon mit integrierter Zigarettenschachtel heute schon möglich sind ;-)

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Die elektrische Eierlegendewollmilchsau

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Neben Telefonieren integriert das Mobile heute und in naher Zukunft eine Vielzahl von Funktionen, die bisher ausschließlich anderen medialen Trägern zugeordnet waren. Medienkonvergenz ist das Stichwort, das perspektivisch noch mehr dem Handy als dem Internet zu etikettieren ist. Das Internet findet künftig auch auf dem Handy statt - die bezahlbaren Providerangebote sind nunmehr verfügbar. Damit lassen sich dann multimediale Anwendungen mobil aufbereiten und im Netz veröffentlichen.

Audio

Das Fon wird mit MP3-Audiofunktionen ausgestattet, z.T. auch mit einer Aufnahmefunktion, die die Qualität eines Diktiergerätes hinter sich lässt. Neben der Musik-Sammlung werden Podcasts (zeitversetzt abrufbare Audiobeiträge) zum unterwegs Hören auf den wachsenden Speicherplatz abgelegt. Mit www.cellcast.de oder www.1000mikes.com lässt sich eigener Web-Rundfunk senden und per SMS abgefragte Fundstellen der Wikipedia kann man sich über www.pediaphon.de am Telefon vorlesen lassen. Selbstverständlich ist der Empfang terrestrischer Radiosender. Die Verbesserung von Headsets zu HIFI-Kopfhörern und die Optimierung der Schallflächen zu Lautsprechern hat auch nachteilige Effekte: Schon heute nerven die neuen „Koffer-Radios“ der Kids mit Rapper-Slangs in der U-Bahn ;-).

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Neu hinzu kommen Software-Optionen zur Verwaltung von Playlisten, Erstellen von (Re-)Mixen und zum Schnitt von Interviews im semiprofessionellen Produktionsbereich.

Umwälzend wird es, wenn der Musikdownload zunehmend nicht mehr über den PC, sondern direkt auf`s Handy als Abspielgerät stattfindet.

Video und Handy-TV

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Die Qualität der Linsen und Displays bei Handys verbessert sich stetig. Es kratzt zwar immer noch im Ton, aber Handy produzierte Videos werden unberücksichtigt der „happy slapping“- Dramatik eine Option für ambitionierte Amateure, die Video für Glotze und Internet produzieren. Der Bedarf und der Output an Amateur-Material wird sich einhergehend mit der Multiplikation der neuen IP-TV-Kanäle potenzieren. Download-Musikvideoclips und abonnierte Vodcasts (analog zu Audio-Podcasts erstellte Video-Beiträge) sind schon heute dank guter mpeg4-Kompression annehmbar auf dem Handy anzuschauen. Handy- Download-Novellas bekommen starke Konkurrenz von Streaming-Video-(Internet-)Sendern. Youtube bietet bereits ein eigenes Handy-Angebot und www.dailyme.tv bringt zeitversetztes TV auf`s Mobile. Zukunftsweisend sind Portale wie www.qik.com die das eigene aktuell aufgezeichnete Handy-Video live ins Internet ausstrahlen und unbegrenzt viele Upload-Sender eröffnen.

Foto

Fast schon eine klassische Handy-Funktion ist die Möglichkeit digital zu fotografieren. Fotokameras werden bald telefonieren bzw. Ihre Bilddaten senden können; Handys werden noch mehr zum digitalen Fotoshooter mit hoher Pixel-Auflösung und optischen Zoom.

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Auf der Photokina bewarben Nokia und Sony-Ericsson ihre Handys als Fotoapparate. Besonders konsequent war Nokia an seinem Messestand. Es wurde vollends der Hinweis auf die Telefonfunktionen des Handys vermieden. Relevant war der Slogan „talk in pictures“. Unter diesem Motto wurden Handy gestützte Fotoanwendungen herausgestellt wie die Anbindung an Foto-Communities bzw. persönlichen Online-Fotoalben. Was unabhängig von proprietären Lösungen folgt, ist die konsequente Anbindung z. B. an die beispiellos erfolgreiche flickr-Foto-Datenbank und andere Web basierte Bilderdienste. Dabei wird es nicht nur beim Upload bleiben, da Foto-Casts (ähnlich abonnierbarer Podcasts) eine weitere vorstellbare Unterhaltung oder Anwendung für`s Mobile-Fon darstellen. Da Handys künftig auch in Internet-WLANs unterwegs sein werden, ist die Idee des mobilen Foto-Blogs greifbare Realität: Fotoreportagen von Events, Urlaub und schockierenden Lebenssituationen mit oder ohne Nachrichtenwert z. B. auf www.tumbl.com.

GPS

Handy plus Navigation heißt das neue Traumpaar des mobilen Bohemian. Neben der reinen, auch für den Innenminister interessanten Ortung eines Handys im Funkzellenbereich ist die nunmehr serienreife Kombination mit einem GPS (Global Positioning System)-Empfänger, Türöffner für neue Dienste. Die bereits im Web2.0-Kontext bekannten Karten-Anwendungen (wie z. B. Google-Maps) halten Einzug auf`s kleine portable Display. Sensationell ist, dass nunmehr Standort sensitive - location based - Informationen eingeblendet werden können. Nach Abgleich der GPS erfassten Positionsdaten mit den vom Mobilfunk-Provider erfassten Aufenthaltsort und Rückmeldung an den Karten-Service können relevante, informative oder nur rein werbende Hinweise eingeblendet werden: die nächste Tankstelle, die nächste Haltestelle plus Fahrplan, die nächste Burger- Grillstation, der nächste Bankomat…. Einen völlig neuen Markt können so auch Aufenthaltsort abgestimmte Stadt- und Reiseführer erschließen. Die Großen im Geschäft bereiten den nächsten Coup vor.

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Anlässlich des DLD 2008 (Digital, Life, Design)-Kongresses sagte Google-Managerin Marissa Mayer zum Thema „digitale Trends“: „Ich denke, dass unser mobiler Kartendienst ‚Mobile Maps’ 2008 richtig abheben wird. Das ist die Applikation, bei der wir bei Weitem das größte Wachstum sehen. Das ist eine weitere Killerapplikation für Handys.“

Locker, aber nicht leicht, wird das Suchen nach verborgenen Schätzen mittels GPS- Handy. Der Durchbruch für das Lern- und Spass-Setting „Geocaching“ (eine digitale Schnitzeljagd mit erlebnispädagogischen und mathematisch-geografischen Lern-Effekten) bringt die Handy- Nomaden wieder mehr an Tageslicht und frische Luft.

Simsen und Zwitschern

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Weiterhin attraktiv bleibt das Senden von SMS. Gewinnen wird aber das System übergreifende Versenden und Verwenden von kurzen Informationen. Drehscheiben für die short message-Verteilung zu Desktop-Widgets (kleine Browser unabhängige Internet-Programme), Instant-Messengern, Blogs, Handys, Laufschrift-Displays sind sog. Microblogging-Dienste. Twittern, Bleepen oder Frazrn heißt die neue Vokabel für das übergreifende Kurznachrichten-Inferno mit Durchlass vom Internet ins Handynetz und zurück.

Community-Manager

Das Mobile sendet künftig in der Fußgängerzone und anderswo per Bluetooth persönliche Profildaten, damit man und frau sich im Großstadt-Dschungel leichter kennenlernen können. Vorreiter ist in diesem Segment ist das Angebot www.aka-aki.de. Stimmen die vorgegebenen Profil-Merkmale überein, werden die digital abgelegten Visitenkarten getauscht. Zur Überprüfung der Identität zeigen die frischen Kontakte untereinander ihre Ausweisdaten, die bei Aufruf online verifiziert werden. Alle im Internet erfolgreich agierenden Communitys von Lokalisten bis SchuelerVZ arbeiten an mobilen Applikationen um die Community überall erreichbar zu machen.

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Haben sie sie schon vermisst? Es gab bisher noch keinen Satz zu Klingeltönen und Handylogos. Nicht, dass wir diese „old fashioned“ Quälgeister hinter uns lassen könnten. Es werden sich sicherlich noch andere Gimmicks finden, die die Individualisierung des unverzichtbaren Kommunikationsapparates zu Geld machen. Denkbar sind Implantate in Handtasche oder Teddybär und eingewebte Handytechnik in Hose und Shirt.

Jugendschutz?

Erfahrungsgemäß bringen neue Techniken auch neue Sorgen und Befürchtungen mit sich. Schnell wird der Jugendschutz gerufen, wenn Zukunft-Szenarios noch mehr Medien-Nutzung verheißen.

Dazu Arnfried Böker:

“Am Kaffeesatzlesen beteilige ich mich schon aus beruflichen Gründen als Geschäftsführer eines Jugendschutzvereins unter anderem mit einem Arbeitsschwerpunkt so genannte Sekten, Esoterik und Okkultismus eher selten. Ein selbsterstelltes, nicht so ernst gemeintes Handyhoroskop lässt mich aber sicher schmunzeln. Trotzdem sehe ich schon Forscher und Medien Schlagzeilen produzieren wie „Handyverwahrlosung von Jugendlichen“ oder „immer mehr Kinder und Jugendliche handysüchtig“. Schauen wir uns aber an, was eigentlich passiert, stellen wir fest, dass Kinder und Jugendliche die Technik und deren Möglichkeiten selbstverständlich in ihren Alltag integrieren. Dabei wird das Handy ein Alltagsmultimedium. Es ist ständig online, ich bin ständig mit Freunden oder Familienmitgliedern in Kontakt. Tolle kreative Tätigkeiten werden stattfinden. Genauso wird es aber sein, dass einfach mal Langeweile überbrückt wird mit dem Handy. Was für Kinder und Jugendliche selbstverständlich ist und auch genutzt wird, um sich von Erwachsenen abzugrenzen, wird für die ältere Generation wieder schwer nachvollziehbar. Möglicherweise werden Erwachsene kurzzeitig das Verhalten wieder einseitig interpretieren, überbewerten und nach Verboten oder wenigstens Einschränkungen rufen. Fakt ist, das durch die Handyonlinenutzung die Individualkommunikation zunehmen wird. Jugendschutzideen mit technischem Schutz, Sperren und Filtern werden nicht zufriedenstellend greifen. Erwachsene werden feststellen, dass Kinder und Jugendliche nicht allein gelassen werden dürfen, dass diese Orientierung und Grenzen benötigen und wollen. Familiäre Erziehung und pädagogische Professionalität durch Vereine und staatliche Institutionen sind dann wieder angesagt.”

Autoren: Jürgen Ertelt || IJAB e.V. und Arnfried Böker || Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen Anhalt e.V.


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