Schöne neue Medienwelten

Medienpädagogisches Forum

  

Einführung

Phänomen Handy

Das Mobilephone ist bereits heute Universalwerkzeug der Kommunikation Jugendlicher. Die ursprüngliche Funktion - das Telefonieren - ist dabei nur eine Anwendung des Gerätes, das verschiedenste Funktionen vereint. Es ist heute für die Nutzung des Handtelefons durch Jugendliche nicht zwingend, dass ein gültiger Vertrag oder ein Guthaben zum Betrieb des Mobile vorhanden ist. Das Telefon dient auch ohne gültige Netzanbindung als Status-Zeiger, „Ghetto-Blaster“, Videoclip-Player, als mit einem Spiel geladener geschmeidiger „Handfisch“ oder als Fotoknipser.

Die Mehrfunktionalität, die nicht in allen Geräten ausgeprägt ist, begründet den Weg zum Zweit-Handy. So liegt die Marktsättigung bei Handys über 100%, wobei die in den Schubladen liegenden elektronischen Altlasten, die aufgrund archivierter - aber nicht kopierbarer - SMS-Juwelen konserviert werden, nicht mitgezählt sind.

Für Jugendliche ist das Handy mit Abstand das Medium Nummer 1. Bei vielen ist es zur untrennbaren und unverzichtbaren Prothese audiovisueller Mitteilung verwachsen.

Die JIM-Studie 2008 des Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest www.mpfs.de zeigt deutlich den Stellenwert des Mobiltelefons bei Jugendlichen. Das Handy steht beim Gerätebesitz bei Mädchen mit 96% und bei Jungen mit 94% an erster Stelle vor MP3-Player und Radio, wobei diese beiden Medien meist Bestandteil des Funktionsumfangs des Handys sind. Die Medienbindung Jugendlicher an ihren Gerätschaften weist das Handy mit 46% als wichtiger gegenüber allen anderen summierten Medien (54%) aus.

Die Entwicklung des mobilen Kommunikationsgerätes geht technisch Richtung universellen Micro-PC (Nokia-Werbung: Computer2.0), der in verschiedenen Funk-Netzen (GSM, UMTS, WLAN) agieren kann.

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Soziologisch betrachtet, verändert sich nicht nur die Definition von Mobilität via Erreichbarkeit, vielmehr wird der „Communicator“ der nahen Zukunft Personennetze, sog. „Communities“, erfassen und abbilden. Vergleichbar den heute stetig wachsenden „social networks“ im Web, entscheidet dann nicht mehr der technische Zugang über die Beteiligung. Unabhängig vom Rechnung stellenden Mobilfunk-Provider definiert das geografisch verortete oder thematische Interesse das Kommunikationsfeld in dem man sich bewegt. Ein Telefonregister mit den Nummern der Freunde und Verwandschaft ist dazu nicht ausreichend. Schlüsselwort gestützte, „getaggte“ Suchen grenzen die gewünschten Interaktionspartner ein.

Schon bald kommen weitere „Smartphone“-Geräte auf den Markt, die auch hinsichtlich der Bedienung die vielfältigen Möglichkeiten erreichbarer machen. Das von Apple angebotene, in der Bedienung „revolutionäre“ IPhone ist Pionier einer Liga von Universalgeräten, die bis auf Duschen und Zähneputzen viele Lebensbereiche bedienen wird.

Ein Blick auf die Vielfalt möglicher Anwendungen des „persönlichen digitalen Assistenten mit Telefonfunktion“ gibt uns Hinweise auf zu erwartende mediale und gesellschaftliche Effekte geben. Die Frage nach der pädagogischen Herausforderung sollten wir zurückhaltend nach eigenem reflektierten Gebrauch stellen.

Es ist aber anzunehmen, dass die größte Herausforderung der „Handymania“ demnächst weniger die Jugendmedienschutz-Frage, sondern die Datenschutz-Problematik - betont unter Jugendschutzaspekten - sein wird. Dazu müssen wir schon jetzt medienpädagogische Aktivitäten entwickeln, die präventiv für neue digitale Minenfelder sensibilisieren.

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Medienpädagogische Ideen werden gebraucht.

Wir möchten die Notwendigkeit pädagogischen Handelns angesichts rasanter Medienentwicklungen nicht nur bezüglich mobiler Kommunikation unterstreichen. Jede erprobte Methode ist hilfreich um einen reflektierten, bewussten und selbstbestimmten Umgang mit Technologien zu sozialisieren. Spielaktionen, Workshops, Wettbewerbe, Infoseiten im Web und Broschüren zum Offline-Blättern, und andere Arbeitshilfen sind geeignet um Leichtsinnigkeit und Stolperfallen zu relativieren. PädagogInnen sollten sich kontinuierlich in Foren austauschen und nicht Müde werden Forderungen der (finanziellen) Beteiligung an medienpädagogischen Angeboten an Industrie, Provider und an die Politik zu stellen.

Die nachfolgenden Hinweise können den Einstieg ins Handeln erleichtern.

Autoren: Jürgen Ertelt || IJAB e.V. und Arnfried Böker || Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen Anhalt e.V.


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