Schöne neue Medienwelten

Medienpädagogisches Forum

  

Ein Ort auch für die Jugendbildung

Das Teen Second Life

Neben dem nur Erwachsenen zugänglichen Second Life hat Linden Lab 2005 das parallele Teen Second Life (TSL) eröffnet. Der Zugang ist nur Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren möglich. Jugendgefährdende Inhalte sind strikt verboten. Als Ausnahme ist es pädagogischen Organisationen gestattet, hier mit Jugendlichen Projekte durchzuführen. Die erwachsenen Pädagog/innen müssen dazu einen Backgroundcheck durchlaufen, bevor sie im TSL auf einer projekteigenen Insel – und nur dort – tätig werden können.

Derzeit nutzen fast ausschließlich amerikanische Organisationen das TSL. Ein Grund dafür ist, dass die Anmeldung von Jugendlichen außerhalb der USA bisher nur mit einem Paypal-Account möglich ist. Anders als im normalen SL, wo mittlerweile nur noch 40% der Bewohner/innen aus den USA stammen, sind die amerikanischen Jugendlichen im TSL fast unter sich. Mit den Projekten von Digischool aus den Niederlanden, Metaversa Island aus Deutschland und den Inseln des spanischen British Council beginnt sich dies aber zu ändern.

Die Bandbreite der Angebote und Methoden ist groß und reicht von außerschulischen Workshops mit Jugendlichen, die nur online zusammenkommen, bis zum Einsatz im Unterricht mit Schulklassen. Hier zeigt sich stärker als im Erwachsenen-SL, welche Möglichkeiten für die Bildung SL gerade auch im Bereich des informellen Lernens bietet.

„It is the first time in my life that I can say that imagination is the only limit we have to act.“
(„Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich sagen kann, dass Vorstellungskraft die einzige Begrenzung unseres Handelns ist.“)

Dies sagt eine Jugendliche aus dem in Kooperation mit UNICEF durchgeführten Projekt von Global Kids Voices of Youth, einem Wettbewerb zum Thema „Kinderfreundliche Welt“. In kleinen Teams kreierten Jugendliche Installationen und Objekte im TSL, die darauf aufmerksam machen, dass an zahlreichen Orten auf der Welt Kinder keine ausreichende Bildung erhalten und sehr früh arbeiten müssen. Die Gewinnergruppe baute ein begehbares Haus, wie sie es sich für eine ideale Schule in Entwicklungsländern wünschte.
Global Kids, eine New Yorker Medieneinrichtung, die im Februar 2006 ihre eigene Insel im TSL eröffnete, war die erste pädagogische Institution dort.

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Ideen und Probleme werden bei regelmäßigen Treffen am Lagerfeuer auf Metaversa Island besprochen.

Ziel von Global Kids ist es, Jugendliche mit gesellschaftlichen Themen in Berührung zu bringen und dabei den Einsatz neuer Lerntechnologien zu erproben. Global Kids arbeitet mit Jugendlichen, die im New Yorker Stadtteil Brooklyn leben und das Medienzentrum von Global Kids besuchen. Es werden aber auch offene Angebote für alle jugendlichen Bewohner/innen des TSL gemacht.

Im November 2006 startete Global Kids in Kooperation mit dem Museum of moving images einen wöchentlichen Machinima-Kurs mit New Yorker Jugendlichen, denen zunächst filmische Gestaltungsprinzipien und das Erstellen von Storyboards vermittelt wurden. Selbst entwickelte Drehbücher wurden anschließend mit Avataren und entsprechenden Kulissen umgesetzt und aufgezeichnet. Als gemeinsames Produkt entstand 2007 der Film A Child’s War (Global Kids 2007) über Kindersoldaten in Afrika.

Die Erfahrungen von Global Kids zeigen, dass auch bildungsferne Jugendliche über die aktive Teilnahme an Onlinewelten zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen motiviert werden können. Sie können selber gestaltend tätig werden und erleben, wie sie anderen Jugendlichen ihre Meinung nahe bringen können.

Einen schulischen Ansatz vertritt die Suffern Middle School aus den USA, deren Inseln im TSL allerdings nur für die eigenen Schüler/innen geöffnet sind. Die Onlinewelt ist hier direkt in den Unterricht integriert. Die Mathematikklasse beschäftigt sich im dreidimensionalen Raum mit der Erforschung geometrischer Körper. Die Literaturklasse trifft sich zum gemeinsamen Lesen in TSL und stellt Romanszenen als Rollenspiel nach. Die Schule hofft, dass eine höhere Motivation dazu führt, sich intensiver mit den Lerninhalten zu beschäftigen.

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Die physischen Eigenschafte von Objekten machen auch sportliche Aktivitäten möglich.

Ein Beispiel für interkulturelle Arbeit ist das Projekt Kids Connect, an dem sich Jugendliche aus New York und Amsterdam beteiligten, jeweils von ihrem Heimatort aus. Statt über Email und Chat begegneten sich die Jugendlichen als Avatare und konnten miteinander agieren. Ihre gemeinsame Aufgabe war die Gestaltung einer virtuellen Stadt aus Elementen der jeweils eigenen Kultur. Fotos aus dem jeweiligen Lebensumfeld wurden in die virtuellen Gebäude integriert. Eine weitere Besonderheit dieses Projekts war die Einbeziehung von traditionellen Künsten. In Vorort-Workshops erweiterten die Jugendlichen ihre Fähigkeiten in Tanz, Musik oder kreativem Schreiben. Die Verbindung zwischen diesen verschiedenen Medien geschah durch ein „Playback Theatre“ im TSL. Ein Jugendlicher liest eine selbst entwickelte Geschichte vor, die andere mit ihren Avataren sofort umsetzen.

Das erste und noch einzige deutsche Projekt im TSL betreibt Metaversa e.V., ein Bildungsverein aus Berlin in Kooperation mit dem Jugendportal netzcheckers.de. Seit November 2007 ist die Metaversa Insel online. Ziel ist der Aufbau einer selbst organisierten Jugendcommunity im TSL. Jugendliche sollen motiviert werden und Unterstützung erhalten, um in der Onlinewelt kreativ und sozial tätig zu werden. Im Mittelpunkt steht die Förderung sozialer, kommunikativer und demokratischer Kompetenzen.

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Die Bilder in Britneys Wohnung zeigen ihre Freundinnen und wurden von ihr selber aufgenommen.

Anfang Januar 2008 wurde ein erster dreitägiger Workshop durchgeführt, an dem 13 Jugendliche teilnahmen, teilweise neu im TSL, teilweise schon mehr als ein Jahr dabei. Obwohl ausschließlich online durchgeführt, waren die Methoden mit Präsenzseminaren durchaus vergleichbar: Kennenlernrunden, Auflockerungsspiele, Diskussionen im „Stuhlkreis“ und Kleingruppenarbeit. Inhaltlich ging es im ersten Teil darum, Grundkenntnisse in Avatar- und Objektgestaltung zu erwerben und anschließend erste Ideen zur Jugendcommunity zu entwickeln. Für die Bereiche Rechte und Regeln, Stadtplanung und Veranstaltungsorganisation wurden Kleingruppen gebildet, die nun eigenständig weiterarbeiten.

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Beginn des ersten Metaversa Workshops im Teen Second Life: Die kleinen Glühbirnen über den Köpfen signalisieren Wortmeldungen.

Auffallend war die hohe Motivation der Jugendlichen – selbst bei der Teilnahme an den Diskussionsrunden – und die hohe Zuverlässigkeit bei der Anwesenheit und der Erfüllung gestellter Aufgaben.

Auf der Metaversa Insel besteht für pädagogische Organisationen die Möglichkeit, eigene Grundstücke für Bildungsprojekte mit Jugendlichen zu mieten.

Autoren: Dieter Glaap || Akademie Remscheid - - - Michael Lange || Metaversa e.V.


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